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History of Black Jack

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Strategien

Mathematisch betrachtet ist das Blackjackspiel ein Spiel für nur einen Spieler, da das Verhalten des Croupiers einem starren Schema folgt und keinerlei Freiheiten läßt - Freiheiten schaden hier nur, wie man an den bis heute in den Anfängen steckenden Versuchen erkennt, beispielsweise Empfehlungen für das Verhalten beim Pokerspiel in einer griffigen Strategie zu formulieren. Dies macht eine genaue Analyse des Blackjackspiels prinzipiell einfacher, als dies bei Spielen mit zwei oder noch mehr freien Entscheidungsträgern der Fall ist.

Obwohl die Spieltheorie ein Kind des frühen 20 Jahrhunderts ist, hat es aber gerade in der Zeit um 1950 herum viele Abhandlungen über Blackjack gegeben, deren Inhalte mehr auf Erfahrung und Schätzung beruhten als auf präziser Analyse, und dementsprechende Ungenauigkeiten gegenüber dem, was nun bald kommen sollte, aufwiesen. Auch - mehr oder minder ungenaue - Versuche, die Chancen bei diesem Spiel exakt zu berechnen, hat es genug gegeben. Doch der Urknall des Blackjack war nicht mehr fern...

Im Jahre 1956 endlich fand ein kleiner Trupps von vier ehemaligen US-Soldaten unter Roger Baldwin den entscheidenden Ansatz, der zum Erfolg führte. Ihr bahnbrechender Artikel in einer renommierten US-Fachzeitschrift brachte eine mathematische Analyse des Spiels. In dieser Arbeit werden erstmals exakte Erwartungswerte für das Black-Jack-Spiel hergeleitet und daraus eine für alle denkbaren Situationen korrekte optimale Spielstrategie entwickelt, die Basisstrategie
 



 


Wenn der Spieler die Inhalte der Ziehvorschriften, die in den zu dieser Basisstrategie gehörenden Tabellen enthalten sind, richtig anwendet, so erzielt er langfristig das bestmögliche Resultat, das er ohne Ausnutzung weiterer Kenntnisse überhaupt erzielen kann. 


Der praktische Wert dieses Durchbruchs lässt sich anhand der Werte für die Gewinnerwartung E eines Spielers bemessen. Ein Black-Jack-Spieler, der das Verhalten der Bank imitiert, erreicht ein E von ca. -5.7%. Ein Spieler, der das andere Extrem bevorzugt und sich niemals überkauft, schafft ca. -7%. Zum Vergleich seien auch die Zahlen für das Roulette bei Plein (-2.7% bzw. -5.4% bei Berücksichtigung des Tronc) oder einfachen Chancen (-1.35%) genannt. Nun der Basis-Stratege beim Black Jack: Bei genauer Einhaltung der optimalen Spielweise werden, bezogen auf die in Deutschland typischen Regelvarianten, ca. -0.7% erreicht - in USA kommt er aufgrund meist günstigerer Gegebenheiten (Anzahl verwendeter Decks) und Regeln noch näher an die Null-Linie heran, unter sehr vorteilhaften Bedingungen 
überschreitet er sie sogar um Haaresbreite. Die Zahlen sprechen für sich.

Leider taugt die Basisstrategie aber noch nicht zum endgültigen Durchbruch, nämlich dem langfristigen Gewinn. Dazu sind weitere Maßnahmen erforderlich. Den Weg dahin hat 1962 erstmals der amerikanische Mathematikprofessor E. 0. Thorp mit seinem unter Blackjack-Anhängern mittlerweile zum Kultbuch avancierten  »Beat the Dealer« (etwa »Sieg über die Bank«) aufgezeigt. Dieses Werk enthält eine präzise Beschreibung mehrerer Gewinnsysteme und enthält die Aussage, daß man durch eine geeignete Technik zum Merken gefallener Karten - gleichgültig, ob aus einem Karetenschlitten oder aus der Hand des Croupiers gezogen - langfristig gegen die Bank gewinnen kann. Damit war das Kartenzählen oder Card Counting geboren. Daß das Mitzählen der Karten nach einem bestimmten Schlüssel für den Spieler vorteilhaft sein kann, läßt sich leicht plausibel machen. Hat man in einem Bereich des Kartenstapels beispielsweise besonders viele Asse und Zehner, so wird es in der Folge viele Blackjacks geben, die sowohl für die Bank als auch für den Spieler Vorteile bringen - diejenigen für den Spieler sind aber größer, da der Blackjack für ihn im Verhältnis 3:2 ausbezahlt wird. Des weiteren ist die Gefahr des Überkaufens bei einer überproportionalen Dichte an Zehnen und Bildern größer geworden, was der schlaue Spieler durch ein zurückhaltenderes Ziehverhalten kompensieren kann - nicht jedoch die Bank. Gelingt es dem Spieler nun, solche und andere Situationen ausfindig zu machen, in denen seine Chancen erhöht sind, so kann er bei sicherem Erkennen einer vorteilhaften Situation seinen Einsatz deutlich erhöhen und auf diese 
Weise seinen anfänglichen Nachteil in einen Vorteil umwandeln. Das Ganze resultiert dann in einer exakten Anleitung, bei welchem Zählstand der Karten nun welcher Einsatz zu tätigen und welche variierte Ziehstrategie anzuwenden ist - nicht einfach, aber bei entsprechender Übung zu bewältigen.

In der Folgezeit wurde unter Programmierern und Mathematikern ein wahrer Wettstreit über das beste Kartenzählsystem ausgetragen. Dabei kam es stets auf die geschickteste Variation der Einsatzhöhen und der strategischen Spielentscheidungen an. Eine ebenso große Rolle in der Praxis spielte dann die Frage, ob ein gewöhnlicher Sterblicher diese Empfehlungen aufgrund ihrer Komplexität dann im Casino auch tatsächlich anwenden kann.


Spielbanken finden es zwar sehr werbewirksam, wenn ab und zu mal ein Gewinner im Roulette  unter großem Getöse der Öffentlichkeit präsentiert wird, aber auf Dauer wenig witzig, wenn ein guter Spieler mit Methode jedesmal mit einem (statistischen) Gewinn das Haus verläßt. Einer? "Beat the Dealer" war auf der US-Bestsellerliste ganz oben, und Heerscharen von guten Blackjackspielern oder solchen, die sich dafür hielten, strömten an die Blackjacktische... Und die Gegenreaktion ließ nicht lange auf sich warten. Sie kam in Form von Verschlechterungen der Spielbedingungen und auch von Sperrungen von Spielern, deren auffälliges Verhalten - z.B. hohes und niedriges Setzen - schnell die Aufmerksamkeit des geschulten Casino-Personals besonders in den USA erregte. Des weiteren dienen die bereits erwähnten Mischmaschinen nicht nur dem Zweck der Vermeidung von Mischpausen, sondern auch dem Vertreiben von "Card Counters" - wo kein Schlitten mit Anfang und Ende mehr ist, da ist auch das bis dahin betriebene Kartenzählen nicht mehr ohne weiteres anwendbar...

Gegenstand weiterer Untersuchungen über Gewinnmöglichkeiten im Blackjack und den Einfluß von Gegenmaßnahmen der Spielbanken bildeten in den Folgejahren außer komplexeren Zählsystemen die Analyse von Sonderwetten, zu denen die Autoren aus eigener Erfahrung besonders gerne das "Over/Under 13" nennen, das vereinzelt als Zusatzwette angeboten wurde. Darüber hinaus sorgten komplett neue Ideen wie das "Shuffle Tracking" unter Eingeweihten für Aufsehen und sind - ebenso wie die Untersuchung des "Preferential Shuffling" - teilweise noch in der Entwicklung befindlich, wie man an den noch nicht eingedeutschten Begriffen erkennen mag.

Last not least haben auch die Autoren dieser Webseite während ihrer Casino-Praxis ein paar Beiträge zur Belebung der hiesigen Blackjack-Szene entwickelt, die schließlich auch die Aufmerksamkeit von Presse und TV erregten - siehe den Artikel "SIE RITTEN DEN GOLDESEL" im ehemaligen Herrenmagazin LUI, das TV-Interview in der NDR-Talkshow "Leute" mit Wolfgang Menge sowie den Artikel "GEPLANTES GLÜCK BEIM BLACKJACK" im renommierten Magazin BILD DER WISSENSCHAFT. Um welche Beiträge es sich dabei handelt, wird dem interessierten Leser sicherlich nicht lange verborgen bleiben...

Wer kann da - trotz der lächerlichen Gegenmaßnahmen der Casinos - behaupten, das Thema hätte auch nur einen Deut an Spannung verloren?

claus@schoenleber.com - V0.1 04/02